Look, it’s teh weekend!

Seit ein paar Monaten gehe ich nun einem geregelten Broterwerb nach. Einige von euch führen zwar noch ihr wohlverdientes studentisches Lotterleben, aber vielen mag folgendes Phänomen bekannt vorkommen: Die Grenze zwischen Wochenende und Rest der Woche ist ungleich präziser, wenn man einen geregelten Arbeitstag zu bestreiten hat.

Als Student war es mir eigentlich egal, ob grade Mittwoch, Sonntag oder
Christi Himmelfahrt war. Dem ist nicht mehr so. Schon Sonntagnachmittag stellt sich bei mir hie und da eine, im Dunkel der Schuljahre verloren geglaubte, Melancholie ein, ob des nahenden Montags. Unter der Woche oft ein gegensätzliches Gefühl: Ungeduldiges Herbeisehnen des Feierabends, besonders in den harten Stunden des Nachmittagstiefs, nachdem man mal wieder zuviel Leberkäs beim Vinzenz-Murr gegessen hat. (Achtung: Die Fleischfachverkäuferin NIE unbeaufsichtigt eine Scheibe abschneiden lassen. Niemand möchte mit bebender Unterlippe eine 6 cm dicke Leberkässcheibe entgegennehmen.)

Nun habe ich festgestellt, dass ich im Laufe der Zeit zwei Rituale entwickelt habe, um sowohl das Wochenende gebührend zu feiern, als auch dem Nachmittagstief ein Schnippchen zu schlagen.
look, it’s the weekend!
Diese kleine Skizze habe ich eines Tages zu Papier gebracht, aus Gründen, die ich heute nicht mehr nachvollziehen kann. Das erdnussförmige Tier, das im vollen Gallopp nach links aus dem Bild spurtet, ist augenscheinlich das “weekend”. Seitdem hat es einen festen Platz auf unserer magischen Tafel gefunden, die wir im Flur aufgehängt haben. Nachfolgend das aktuelle Bild.

zaubertafel

Hier sieht man das Weekend mit einem Kaninchen an der Leine der Sonne entgegenrennen. Jedes Wochenende malen wir ein anderes Weekend auf, und ich muss sagen, ich bin jedesmal ein bisschen traurig, wenn wir es Sonntagabend ausradieren.
Deswegen, und weil auch schon wieder Sonntagabend ist, noch eine kolorierte Interpretation vom Weekend:
robotoweekend
Der Roboter, den man im Hintergrund erkennen kann (gelb) ist Bestandteil des zweiten zeichnerischen Rituals, das ich entwickelt habe. Im folgenden versuche ich mal, anhand der Originalskizzen die Entstehungsgeschichte der sogenannten “T-Minus Roboter” zu beschreiben.
skizze 1
15.00 Uhr, ich sitze bei der Arbeit: Um mir in Erinnerung zu rufen, dass es nur noch 3 Stunden bis Feierabend sind, halte ich dies als militärische Zeitangabe fest. T-3 Stunden bis ich nach Hause gehen kann. Schnell noch eingerahmt, hey, das sieht ja aus wie ein Roboter. Voilà, der erste T-Minus Roboter.
Skizze 2
16.00 Uhr: Wurgs, noch zwei Stunden bis Feierabend. Moment… Ich hatte doch vor ner Stunde diesen witzigen Roboter gezeichnet. Schon sehr viel räumlicher sieht der kleine Bursche aus, und laufen kann er auch schon.
skizze 3
17.00: Noch eine Stunde. Yeah, ich kann wieder einen Roboter aufmalen. Jetzt neu, mit Vernichtungsenergie.

So ungefähr ist es gelaufen. Seitdem habe ich zahlreiche Roboter aufgemalt, mal mehr, mal weniger, je nachdem, wieviel ich Zeit hatte bei der Arbeit.
alle roboter
Allerdings halte ich bewusst ein paar Regeln ein. Vor 3 Uhr nachmittags zeichne ich nie einen Roboter. Niemand will sehen, dass er noch 7 Stunden bis Feierabend hat. Außerdem kann es pro Stunde nur einen Roboter geben. Wenn ich zur vollen Stunde grade zu tun habe, hol ich das eben nach. So kam z.B. der Roboter mit dem grünen Visier zustande, T-0,33, noch zwanzig Minuten bis Feierabend.
Ich finde dieses Ritual sehr tröstlich, denn am Ende gewinnt immer der T-0 Roboter, und der T-8 frisst Staub.
Pwn3d
Wie sieht’s mit euch aus: Habt ihr auch Rituale, die euch durch den Tag bringen? Und: Ja, das ist ein neuer Style, den ihr in den Bildern seht. Hier könnt ihr euch den Pwn3d Roboter in einer Spezialversion als Bildschirmhintergrund laden, bislang nur in einer Auflösung (1280×1024). Wer was anderes möchte, der schreibe mir.

15 Responses to “Look, it’s teh weekend!”

  1. teresa Says:

    we love the weekend! und schon ist es fast wieder rum.. vielleicht hat das weekend auch bald ein schild um den hals.. da würde jetzt dann w-3 draufstehen.. *heul

  2. Martin Says:

    [ADW-2,5]

  3. Arno Says:

    ja stimmt, fuer mich ist der ADW ein bisschen ein wochenendritual. ansonsten ist zur zeit nur wichtig, dass man schnell noch was unternimmt sonntag abends, bevor alle anderen wieder arbeiten gehen am naechsten tag :D

  4. Christin Says:

    oooh, tolle rituale hast du da :)

  5. Motz Tietze Says:

    Hallo Max,
    sehr guter Text über das neue Leben . Manchmal sehnt man sich als
    Selbstständiger nach Reglung und Feierabend etc.Doch dein Text macht
    mir klar:Alles ist gut.
    Motz

  6. koaler Says:

    Oh ja, ich kann das sooooo gut nachvollziehen, max! Jeder Tag beginnt mit t-8; jede Woche mit d-5…nur, um sich dann am Wochenende wegzuballern, bevor der Mist von vorne losgeht. t-5 bei mir noch, by the way…

  7. maz Says:

    @motz: man möchte halt immer das haben, was man grade nicht hat :)
    @koaler: ich kann nur hoffen, dass dich die insulinmafia wenigstens am vatertag in ruhe lässt. oder darfst du sogar den brückentag noch mitnehmen?

  8. koaler Says:

    bei denen bin ich ja mittlerweile gar nicht mehr, maz! Und am Freitag werde ich schön wieder zu t-8 hier im Büro erwartet. Wo verdienst Du denn gerade Dein Lohn, Brot und Feierabendbier?

  9. maz Says:

    @koaler: ich bin grade im moment famoserweise beurlaubt, bevor ich am montag meine ultrageheime neue arbeit anfange. Irgendwie stell ich mir deine Arbeit ein bisschen so wie Stromberg vor.

  10. koaler Says:

    … es ist aber VIEL VIEL SCHLIMMER…
    t-5… ich komm aus dem Roboterzeichnen gar nicht mehr raus.

  11. koaler Says:

    Max, magst Du das jeweils aktuellste Weekend von eurer magischen Tafel hier nicht immer pünktlich zur neuen Woche veröffentlichen? Das hätte so was AdW-mäßiges…

  12. maz Says:

    das hab ich mir in der tat auch schon überlegt. aber dieses wochenende waren wir nicht da, deswegen gibts kein weekend. ich werd mal drüber nachdenken, ob das weekend jede woche stattfinden kann.

  13. Terrorschlumpf Says:

    Ich mag den T-0 Roboter, hab mir auch gleich mal das Wallpaper eingerichtet, nur, ich habe eine Frage. Mir geht es manchmal so, dass ich unerwartet eine Stunde länger bleiben muss, das ist dann immer sehr bitter, ich glaube nämlich der T+1 Roboter ist eine Tötungsmaschine aus der Zukunft, da hat der T-0 keine Chance. Es sei denn er hat einen kleinen menschlichen Freund, eine Sonnenbrille und sagt: “Sprich zu der Hand”

  14. maz Says:

    Meines Wissens ist der T-0 in den seltensten Fällen mit einer Gatling-Gun oder einer anständigen Schrotflinte ausgerüstet. Es rechnet ja auch niemand mit dem Auftauchen eines T+1. Ich denke, in solchen Fällen hilft nur noch beten. Oder, wenn man nicht so religiös gepolt ist, weinen wie ein Schulmädchen. Manchmal hat der T+1, respektive der Arbeitgeber, dann Einsicht. Oder man ist gefeuert.

  15. bobby Says:

    Ich werde das auch mal versuchen….gefällt mir, was habe ich nur all die vielen Jahre der Berufstätigkeit falsch gemacht, dass mir so ein tolles Ritual nie eingefallen ist….ich esse alle Stunde eine Kleinigkeit und schlürfe zwischendurch mal einen niedlichen Espresso, das geht auch, schlägt aber summa summarum ganz schön an…..deinen Bericht fand ich übrigens ganz großartig! Woher hat der junge Mann nur all diese fantastischen Talente her, der muss ja schlaue Eltern haben, die ihm das alles vererbt haben……

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