Der Tod ist ein KFZ-Meister aus Deutschland
Monday, November 24th, 2008
Nun ist er endlich heimgegangen. Was ich schon nach dem Frankreich-Urlaub befürchtet hatte, ist eingetreten: Der alte R5 weilt nicht mehr unter uns. Zwei Monate hab ich ihn noch hier vor dem Haus stehen lassen, den unausweichlichen Moment hinausschiebend. Geholfen hat es nichts: Vor drei Wochen kam der Mechaniker-Freund von meiner Schwester und hat ihn mitgenommen.
Was mir bleibt, ist ein Sack voll großartiger Erinnerungen:
In memoriam unzählige Fahrten zum Burgerking. Ein Werktag, ein Feiertag, Wochenende, egal. 11 Uhr nachts, schon 4 Stunden Mariokart gezockt. Rein in die Kiste, rauf auf die Piste, und fünf Minuten später sitzt du mit den Jungs auf rotgepolsterten Kunstledersitzen und ziehst dir nen Doppelwhopper mit Bacon rein. Danach weiterzocken bis um vier in der Früh, und der treue R5 bringt dich sicher ins Bett. (Die grünen Schildkrötenpanzer, die um das Auto kreisen, bildet man sich auf der Heimfahrt nur ein…)
In memoriam Europameisterschaft 2004. 400 Griechen in wildem Autokorso um den Mannheimer Wasserturm und wir mittendrin. Fenster runter, “Hellas” brüllen, und schon gehört man mit dazu.
In memoriam die Metro brennt. Wenn man partout keine Lust hat, einen Präsentationstechnik-Vortrag vorzubereiten, und der Arno glücklicherweise eine riesige Rauchwolke am Horizont entdeckt, dann schwingt man sich am besten in die alte Blechkiste und versucht den Brandherd ausfindig zu machen. Leider war die Polizei immer Milisekunden vor uns an den Zufahrtsstraßen zum Ort des Unglücks. Nichtsdestotrotz 3 Stunden, die gut investiert waren in eine rasante Hetzjagd um halb Mannheim herum.
In memoriam Heinz Hunziger Sommerbad. Fenster runter, Arm raus, und immer ganz nach vorne fahren auf dem Parkplatz. Da wird schon was frei sein. Der Schwimmring liegt selbstverständlich auch im Winter im Kofferraum, wer weiß, wann man den mal brauchen kann.
In memoriam 6 Umzüge. Zwei große Kisten vom Baumarkt, Rechner, Monitor und schon ist fertig gepackt. Kuriose Begleiterscheinung: Der ganze Kleinkram, der es nicht mehr in die Kisten geschafft hat, fängt an, im Auto ein Eigenleben zu führen. Wandert von der Rückbank in den Kofferraum, von dort ins Handschuhfach, ist dann mal jahrelang verschwunden und taucht unvermittelt hinter dem Fahrersitz wieder auf. Ah, da war die Langnesefahne, die ich schon so lange gesucht hatte…
Ein letztes Mal sei mir etwas Sentimentalität für ein lebloses Stück Blech noch erlaubt. Auf ein Auto wie eine gutgetragene Jeans: Nicht zu eng, nicht zu weit, und sobald du deinen Arsch drin parkst, bist du der lässigste Typ im ganzen Block. Fenster runter, abgenudeltes Punkrocktape rein und los gehts. Machs gut, alte Klapperkiste!